8.29.2007

Friedenspanzer!

So heisst ein Song der Ärzte. Meint aber was völlig anderes als ich. Während die Ärzte von Panzern fantasieren, die einem Liebe ins Herz schießen, die ganze Welt zur Antiwalfangzone erklären und den Frieden bringen (ich glaub ja, daß der Panzer nur eine Metapher ist und sowas gar nicht entwickelt wird!), gehts mir um die Auslandseinsätze der allseits beliebten deutschen Ballermänner, auch Bundeswehr genannt.

Die bürokratischen Auswüchse sind wirklich pervers. Radarfallen im Feldlager, wer dabei erwischt wird, wie er zu schnell durchs Lager fährt, der zahlt gerne mal 300 Euro. Ich stells mir so geil vor, wenn es zum Angriff auf ein Lager kommt. Vor dem deutschen Lager haben sich die Feinde versammelt, der Panzer rollt mit 5 km/h Richtung Eingang, damit er kein Knöllchen kassiert. Kurz vor dem Eingang kommt von rechts ein feindlicher Panzer, der Fahrer des deutschen Panzers sucht verzweifelt das Vorfahrtschild. Scheisse, keins da, rechts vor links. Er bremst. Der andere Panzer bringt sich inzwischen gemütlich in Position, knallt unsern weg und das Lager ist verloren. Aber wenigstens wurde die StVo eingehalten, soll ja keiner sagen wir würden unfair spielen.
Es gibt auch Mülltrennung, wie wir sie von zuhause kennen. Natürlich werfen die afghanischen Unternehmen das dann alles auf eine Müllkippe. Auch hier kurz die Gefechtssituation. Während der deutsche Panzer pingelig auf die Vorfahrt und das Tempolimit achtet, versuchen deutsche Soldaten sich in ihren Stellungen mit dem Gewehr gegen die anrückenden Feinde zu verteidigen. Da wir uns nicht in einem Actionfilm befinden, haben die Magazine nur eine begrenzte Anzahl an Kugeln. Natürlich sind wir daran selber schuld, wieso kaufen wir nicht bei dem Hersteller, der Bruce Willis und co. versorgt? Nun hat der Deutsche also sein erstes Magazin verschossen. Aber er hat keine Mülltonne mit dem gelben Punkt in unmittelbarer Nähe. Was macht er? Pflichtbewusst verlässt er seine Stellung, ignoriert die Tatsache, daß er ungedeckt ist und versucht zum nächsten gelben Container/Mülleimer zu rennen. Auf dem Weg wird er erschossen, die restlichen Soldaten machens ihm natürlich nach, man muss ja die Folgen für die Umwelt sehen, da ist das eigene Leben unterzuordnen.
Achja, ich hatte doch die Panzer schon erwähnt, die mit 5 km/h noch durchs Lager rollen, während der eigentliche Kampf schon gelaufen ist. Die gibts natürlich in Wirklichkeit gar nicht. Denn irgendwo fällt immer mal ein kleines Kontrollämpchen aus oder irgendwer hatte die glorreiche Idee, wegen der Steine schmeissenden Einheimischen Gitter anzubauen. Da die Vorschriftenlage dazu etwas schwammig ist und die Instandsetzer natürlich Angst vor Repressalien haben, falls sie etwas unvorschriftsmäßig reparieren oder umbauen, sind die Panzer nämlich alle außer Betrieb. Als Vorsichtsmaßnahme. Also bleiben eigentlich nur die Magazine entsorgenden Soldaten. Dafür hats von denen nun etwas mehr, denn es muss ja keiner mehr Panzer fahren.
Problematisch wirds so gesehen erst, wenn die Einsätze in weit entfernten Gebieten stattfinden. So zum Beispiel im Hindukusch. Denn für Soldaten gelten die gleichen Regeln wie für normale Fluggäste. 100 Milliliter Flüssigkeit, kein Tröpfchen mehr. Blöderweise gibts auf Bundeswehrflügen keine Stewardessen (Stewards wären eh undenkbar, es hat ja Gründe, warum Homosexuelle ausgemustert werden), also hat man für einen Flug, wie lang er auch sein mag, genau 100 ml zu trinken dabei. Die verdursten also, bevor sie am Einsatzort angekommen sind, deshalb können sie gar nicht beim korrekten Einsortieren der leeren Magazine getötet werden. Aber das war eh Quatsch, denn deutsche Soldaten fliegen nach Vorschrift zwar mit ihrer Waffe, aber ohne Munition. Die wird nachgeschickt in einem anderen Flugzeug.
Sollte es also wirklich ein deutscher Soldat bis ins Krisengebiet schaffen ohne zu verdursten, dann könnte er nur noch in den Nahkampf. So blöd, einen im Nahkampf ausgebildeten Soldaten an sich ran zu lassen, während man selbst bewaffnet ist, sind aber nicht mal irgendwelche afghanischen Terroristen.

So gesehen bringt die Bundeswehr wirklich Frieden, denn es kann nicht zu Kampfhandlungen kommen mit dieser Truppe. Mission accomplished also, bravo Deutschland!

8.26.2007

The fastest man alive is gay!

Ich finde der Satz klingt schön. Ich guck nun seit zwei Tagen die Leichtathletik WM und hab echt nur auf diesen Moment gewartet. Es ist dieses fiese Arschlochgen in mir, was mich dazu treibt, einen derartigen Ausgang zu erhoffen. Ist ja jetzt nicht so, daß ich generell nem Ami eine Medaille gönne. Im Gegenteil. Von der Sympathie her hätte der Powell gern gewinnen dürfen, auch mit jedem andern da hätt ich mich gefreut. Mit dem Gay eher weniger. Aber die Schlagzeile ists dann doch wert. Wirds die morgen in irgendeiner englischsprachigen Zeitung geben? Abwarten, ich kann nur hoffen, daß ich nicht der einzige Mensch mit derartigem Humor bin.

Wieso schreib ich eigentlich immer wieder über Sport? Weil ich sportbegeistert bin. Fast egal welche Sportart, ich hab sicher schon mal irgendwo was davon gesehen und weiss mehr als der durchschnittliche Bürger auf der Straße darüber. Was mich deshalb immer aufregt sind ja diese Kommentatoren. Ich kann sie Namen und Erfolge förmlich ablesen hören. Nix spontan, kein eigenes Wissen und so reingefühlsmäßig glaub ich auch wenig Interesse an der Materie. Kann man eben Geld mit verdienen, wenns zum richtigen Journalisten nicht gereicht hat. So wie der Delling zum Beispiel. Der hat ja nun echt von gar nichts ne Ahnung. Würde man ihm beim Fußball nicht regelmäßig den Netzer neben den Teleprompter stellen, würde er wahrscheinlich dem Löw die Hand schütteln und aus dem Brustton der Überzeugung, die nur absolute Volldeppen an den Tag legen können, "Hallo Herr Beckenbauer!" sagen.

Was ich damit sagen will: ich glaube ich könnte das besser. Vor allem würd ich ja mal interessante Fragen stellen. Beispiel Kugelstoßen der Damen. Da knallt unsere Deutsche die Kugel auf über 20 Meter und gewinnt Bronze und hüpft wie wild durchs Stadion vor Freude. Da fragt der Typ doch wirklich, wie sie sich jetzt fühlt. Das hat selbst ein blinder Komapatient noch mitgekriegt. Wirklich witzig wärs doch geworden, wenn er einfach mal gefragt hätte, woher eigentlich diese markanten männlichen Gesichtszüge und die Oberarme wie Stahlträger kommen. Aber nix. Herzlichen Glückwunsch, sie dürfen gerne jemanden grüßen, tschüss. Großes Reporterkino sozusagen. Warum auch das fragen, was sich jeder am Schirm zuhause fragt?
Oder Siebenkampf der Damen. Drei Deutsche am Start, während der Disziplinen wird man immer wieder mit Infos versorgt, die eine hatte ne Saison voller Verletzungen und hat auf den letzten Drücker das WM-Ticket gelöst und sieht das ganze als schönen Abschluss für das Jahr ohne jeden Druck. Die andere war bei der EM 4., rechnet sich aber weniger aus diesmal, die dritte bleibt ein kleines Mysterium, hat aber wohl noch die realistischsten Medaillenchancen. Nach 2 Tagen und sieben Disziplinen, in denen man immer wieder die gleiche Leier von der Leidenszeit, persönlichen Bestleistungen und/oder übertriebenen Erwartungen gehört hat, ist das Ding endlich rum. Erste Frage an die mit den vielen Verletzungen: nach dieser Saison mit den vielen Verletzungen, wie fühlt sichs denn an, den Siebenkampf zu überstehen und am Ende noch in die Nähe ihrer persönlichen Bestleistung zu kommen? Super Frage. Kreativ bis zum geht nicht mehr. Aber man sollte den Zuschauer auch nicht überfordern, indem man Sachen fragt, die er nicht schon vorher selbst beantworten kann. Ich hätt ja jetzt gefragt, was genau sie eigentlich für Verletzungen hatte und wieso sie die Saison nun schon beendet. Danach vielleicht, ob sie sich denn vorstellen kann, was ohne das ganze rausgekommen wäre. Eben in der Freude noch ein bißchen runtermachen und zum Nachdenken anregen. Wieder nix. Alles Gute und tschüss, sie grüßt noch ihren Trainer. Die beiden andern werden mit ähnlich stumpfen und uninteressanten Fragen gelöchert und anschließend in die Medienfreiheit entlassen.

Das einzig interessante Interview führte dann bezeichnenderweise ein nicht zu erkennender Reporter im Krankenhaus. Ein deutscher Geher wurde falsch umgeleitet und sackte dann 200 Meter vor dem Ziel zusammen. Der durfte dann auch schön Organisationsschelte betreiben und erklärte das ganze zu einer Sponsorenveranstaltung, weil es eigentlich wenig Sinn macht, in Osaka eine Leichtathletik WM zu veranstalten. Dazu natürlich von den alteingesessenen Reportern nur ein schüchternes "harte Worte" und weiter im Programm. Da wär mal richtig was zu machen gewesen, aber sie trauen sich nicht.

Ehrlich liebe Öffentlich-Rechtliche: ich mag euch. Einfach so vom Grundgedanken. Fernsehen, das auch die Randgruppen bedienen soll und entgegen dem Mainstream und dem Gedanken an Gewinnmaximierung breitgefächert für möglichst viele etwas bieten soll. Aber dann traut euch doch bitte auch mal was. Scheisst doch, wenn ihr bei Programmen wie Mona Lisa oder Polylux schon nicht auf den Gewinn achtet, auch mal auf Sponsoren und lasst einen dank Fehlorganisation gescheiterten deutschen Geher so richtig schön für 20 Minuten vom Leder ziehen. Ob ihr es glaubt oder nicht, das bringt Quote, genau wie die Krawallshows in den Kommerzsendern. Nur, daß euer Krawall wenigstens eine reelle Grundlage hätte.

Aber das ist wahrscheinlich wieder zuviel verlangt, schade eigentlich.

8.02.2007

Ich fresse mein Telefon!

Ich habs echt so satt. Ständig klingelt das Teil. Wirklich für mich sind aber nur die wenigsten Anrufe. Meine Eltern in unregelmäßigen Abständen, hier und da nen Freund.

Einen Großteil der Anrufe machen so fantastische Sachen wie der eben aus. "Herzlichen Glückwunsch! Sie sind in unsere Warteschleife geraten und haben deshalb die Möglichkeit, einen Tankgutschein über 1000 Euro zu gewinnen!" sagte die nette Frauenstimme. Ich bin also in diese Warteschleife geraten. Suggeriert das nicht eigentlich, daß ich auf irgendetwas warte? Find ich ziemlich frech, wenn ich hier gerade gemütlich zuhause sitze und fernsehe, daß man mir unterstellt, daß ich mit denen irgendwas zu schaffen haben möchte, wofür sich das Warten lohnt. Und dann: 1000 Euro Tankgutschein. Super, ich hab nicht mal ein Auto oder einen Führerschein! Vor allem aber: wozu herzlichen Glückwunsch?!
Wie kommen diese Vereine eigentlich an meine Nummer? Als ich selbst im Callcenter gearbeitet habe, wurde mir immer gesagt, daß sowas zum Beispiel durch Mitgliedschaft im ADAC oder Teilnahme an Preisausschreiben passieren kann. Is klar, der ADAC gibt die Telefonnummern seiner Mitglieder an irgendwelche Callcenter weiter... glaubt es bloß nicht. Preissausschreiben kann ich für meine Freundin und mich auch verneinen, mit andern Worten: die beschaffen sich meine Nummer nicht auf legalem Wege, denn einfach das Telefonbuch durchklingeln ist verboten.
Bevor sich wer fragt: ich verkaufte damals günstige (im Vergleich zum Telekomstandard) Telefontarife für unterschiedliche Anbieter. Wobei verkaufen nicht wirklich stimmt, denn am Telefon kann man keine Verträge abschließen, ich stellte so gesehen nur einen Kundenkontakt her. Ich war auch keiner dieser aufdringlichen Typen, die auch nach dreimaligem "Danke, kein Interesse" immer noch versuchen, einem das Ohr abzukauen, um es später gegen einen nichtexistenten Kaufvertrag zu tauschen. Auf die Art verkauft man da nämlich eh nix. Wer mir von Anfang mit derartigem Desinteresse begegnet, den kriege ich ohne die Hilfsmittel Gestik und Mimik garantiert nicht dazu, seinen Telefontarif zu wechseln, SKL-Lose zu kaufen oder mir bei einer Umfrage zu helfen.
Nun sind wir ganz ungewollt bei den Anrufen angelangt, wo einem wenigstens noch ein realer Mensch zugeteilt wird. Je nach Tagesform empfinde ich diese Anrufe als Belästigung oder Belustigung. Wenn ich so richtig gut drauf bin, dann lass ich denjenigen ausreden, imitiere 2 Minuten zögerliches Interesse, um ihn richtig aus seiner Deckung zu locken und erkläre ihm danach, was er alles falsch gemacht hat und wieso er auf die Art nie was verkaufen wird. Solche Gespräche endeten nicht nur einmal damit, daß mit einem wutentbrannten "Arschloch" auf der andern Seite aufgelegt wurde. You make my day quasi. Hab ich schlechte Laune, bügel ich das ganze meist damit ab, daß ich den Job auch mal gemacht hab, wesentlich besser sogar, und von Anfängern nix kaufe. Die sind dann irgendwie immer zu perplex, um groß was zu antworten in den 2 Sekunden, die ich bis zum Auflegen brauche.

Was will ich damit eigentlich sagen? Macht euch nen Spaß draus. Sind zwar allesamt arme Säue, die da in den Callcentern sitzen und, soweit es meine Kollegen dort betraf, auch echt nette Leute, aber die meisten sind sich in keinster Weise bewusst, daß sie die Leute wirklich stören. Was übrigens auch gut zieht, zumindest hat das bei mir anfangs immer für nen Kloß im Hals gesorgt: sprecht leise, fast flüsternd, und sagt den Leuten, daß ihr noch ca. 1-4 Wochen zu leben habt. Der Knaller, der Typ geht danach erstmal raus, eine rauchen oder weinen, und verkauft an dem Tag nix mehr. Gut, ich persönlich beendete solche Gespräche nach einer Weile ganz abgezockt mit Sätzen wie "Na gut, bis wir Sie umgemeldet haben, sind Sie dann eh tot, da kann ich mir den Aufwand auch sparen" oder, als ich SKL-Lose vertickt hab, "Na sehen Sie, dann können Sie mir nochmal was gutes tun und nen Los kaufen, mit Gewinnen werden wir Sie in der kurzen Zeit auch nicht mehr belästigen", aber der normale Verkäufer ist danach echt im Arsch.

Aber kommen wir zurück zum Anfang. Ich habs wirklich satt. Scheinbar rufen hier nur die Stümper der Branche an, nen richtigen Profi hab ich noch nie dran gehabt. Die automatischen Dinger sind eh nur nervig und vor allem frag ich mich, wer daran irgendwas verdient. Zieht sich das Geblubber echt jemand bis zu dem Punkt rein, wo es dann vermutlich heisst "Bitte rufen Sie uns unter 0190/836457 zurück, damit wir Ihnen sagen können, was Sie gewonnen haben"? Und wieviele davon rufen dann auch wirklich noch an für 83€/Minute?

Ruft wen anders an. Im besten Fall leg ich gleich auf, ansonsten mach ich euer Selbstvertrauen, so ihr denn welches habt, kaputt. Irgendwann mach ich mir auch mal den Spaß und hör mir so ne Automatennummer wirklich komplett an. Danach verklage ich euern Laden wegen Belästigung und dem illegalen Erwerb von Adressen. Und DANN ruf ich vielleicht auch mal zurück.

8.01.2007

Achja...

Man könnte den letzten Post übrigens durchaus als Comeback interpretieren! Vielleicht nicht ganz so spektakulär wie das von Jesus und weniger fies als das von Kalkofe, aber auf jeden Fall wichtiger!
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um meine Garantie für unterste Schublade und Niveaulosigkeit zu erneuern, denn ihr habt es nicht anders verdient. Ihr seid schließlich nur Mitglieder der Spaßgesellschaft und als solche darf man euch ja nicht überfordern.

Und um die Konzentrationsspanne ausnahmsweise mal nicht zu überreizen lass ichs dabei bewenden ihr kleinen Nullchecker. Hauts rein!

Wie heisst der chinesische Sportminister?!

Ich bin so unglaublich begeistert. Rasmussen, Contador, Sinkewitz, Moreni, Mayo, Vinokourov. Ein Hauch von Armstrong und Landis war sowieso dabei. Völkerverständigung at its´ best! Wenn man sich schon sonst nix zu sagen hat, kann man ja wenigstens den gleichen Gynäkologen besuchen und die gleichen Pillen schmeissen. Namen, wie man sie sonst nur aus Opern kennt, als tragische Helden einer sterbenden Sportart.

Über allem thront der Bösewicht: Eufemiano Fuentes. Klar, er alleine hat den Radsport an den Tropf gehängt. Die Fahrer hatten damit nichts zu tun, die waren ja alle nur arme Opfer. Allen voran Jörg Jaksche - ok, der Name klingt weniger nach Heldentenor als zum Beispiel ein Alberto Contador, aber deswegen ist der ja auch Apothekentoursieger geworden und der Jörg wurde vorher schon nach Hause geschickt - und natürlich unser liebstes moppeliges Sorgenkind Jan Ullrich. Während letzterer nun seit über einem Jahr die beleidigte Leberwurst gibt und zum Thema Doping abgesehen von einem Auftritt bei Beckmann (oder wars beim geklonten Zwilling Kerner?) nur seinen Anwalt sprechen lässt, verdient der Jaksche ja richtig Geld. Im Spiegel ein Exklusivinterview, demnächst bestimmt auch noch tolle Auftritte im TV, ja vielleicht sitzt er sogar eines Tages mit Dr. Franke, dem Dopinginquisitor, bei Jürgen Fliege auf der Couch und lässt sich vor grob geschätzt 400.000 Zuschauern im schlechtesten Zielgruppenalter vergeben. Schlau gemacht, soviel hätte der im Radsport nie verdient. Soviel auch dazu, daß Doping dumm macht. Muss man sich nur den Zabel angucken: Epo genommen, genau nach Verjährungsfrist unter 100% echten (!!!!) Tränen zugegeben und sogar kurzzeitig nochmal das grüne Trikot des besten Muskelaufbaupräparatspritzers getragen. Sowieso schlau: Sprintstar... wer sucht im Radsport schon nach was anderem als Mitteln, die die Ausdauer und Leidensfähigkeit steigern? Schließlich will doch jeder das urinfarbene Trikot haben. Wie, Ihr Urin ist nicht "so" gelb? Was glauben Sie, wie das aussehen würde, wenn Sie täglich Epo spritzen und Ihr Blut, statt im Körper, bei Onkel Eufemiano waschen lassen würden? Eben.

Richtig doof fand ich dagegen ja den Vinokourov. Fremdblut zum Dopen... in welchem Jahrhundert lebt der denn? Ja gut, Kasache oder Weissrusse, irgendsowas ehemals sowjetisches eben, aber der hat doch schon vor längerer Zeit rübergemacht. Die Ossis haben sich ja auch an fließend Wasser und Strom gewöhnt, wo bleibt der Lernprozeß bei Vino?
Weniger traurig war es bei Rasmussen. Allerweltsname, zumindest in Dänemark und auch irgendwie ein relativ aussageloses Gesicht. Drückt zwar nun auf die Tränendrüse, aber er ist ja selber schuld. Wieso sagt er auch, daß er in Italien ist, wenn er in Wahrheit ganz harmlos in Mexiko mit seiner Frau zu Mittag gegessen hat? Oder war da vielleicht irgendwas in den Tacos, wovon keiner wissen sollte?
Zu Iban Mayo und Cristian Moreni muss man nicht viel sagen, einfach nur doof. Epo und Testosteron. Daß man nach Landis imVorjahr und den Geständnissen im Vorfeld der Tour damit nicht durchkommt, wenn man unter die ersten 100 fährt, war eigentlich absehbar. Wer dann auch noch so blöd wie der Moreni ist und sich einen Etappensieg holt... ja ne is klar.

Bleibt noch unser kleiner Patrick Sinkewitz. Der Name ist ja irgendwie Programm, auch wenn mir kein Witz einfallen will, bei dem das Niveau das sinkende Schiff verlässt. Aber macht ja nix, er hat uns ja so schon genug amüsiert. Testogel, eine Art Hautcreme für bessere Testosteronregeneration. Vielleicht hätte er es nicht mit der Schaufel auftragen sollen. Aber er bedauert ja zutiefst.

Ich übrigens auch. Vor allem, daß ARD und ZDF die Chance ausgelassen haben, eine ähnlich grandiose Gagparade wie Eurosport zu fahren. "Inzwischen nehmen die Wettbüros Wetten an, wer als nächster beim Doping erwischt wird" und ähnliche Zoten waren dort zu hören. Tschuldigung, aber das war geil. Das hätte den öffentlich-Scheintoten auch mal wieder Quote in der Zielgruppe und damit Werbeeinnahmen beschert. Aber ne, das überlässt man dann lieber Sat.1.

Ich freu mich auf jeden Fall auf die Tour 2008, gesponsort von Pfizer und Bayer. Mal sehen wer noch alles fahren darf, vielleicht kommt Ullrich ja zurück, weil das Kind eh in den Topf mit dem Zaubertrank gefallen ist.